Ferrari ist eine Marke, die seit Jahrzehnten für Geschwindigkeit, Präzision und italienische Ingenieurskunst steht. Kaum ein anderer Name in der Autoindustrie löst so viele klare Bilder aus: rote Rennwagen, der springende Hengst, Maranello als Mythos und ein Unternehmen, das zugleich Luxusgut, Sportwagenhersteller und Börsenwert ist. Genau deshalb taucht immer wieder die Frage auf: Wem gehört Ferrari? Die Antwort ist etwas komplexer, als es auf den ersten Blick wirkt. Ferrari ist heute kein Familienbetrieb im klassischen Sinn und auch kein Unternehmen, das vollständig in einer Hand liegt. Eigentum, Kontrolle und Markenidentität fallen hier nicht zusammen, sondern sind auf mehrere Ebenen verteilt.
Wer verstehen will, wem Ferrari gehört, muss zwischen Gesellschaftsstruktur, Stimmrechten und historischer Entwicklung unterscheiden. Das Unternehmen Ferrari N.V. ist an der Börse notiert. Die Aktien sind damit breit gestreut und werden von vielen Investoren gehalten. Gleichzeitig gibt es aber zwei große Ankeraktionäre, die eine besondere Stellung haben: Exor und der Trust rund um Piero Ferrari. Diese Konstellation prägt Ferrari bis heute und erklärt, warum die Frage nach dem Eigentümer nicht mit einem einzigen Namen beantwortet werden kann.
Ferrari als börsennotiertes Unternehmen
Ferrari ist seit 2016 eigenständig an den Märkten notiert. Das bedeutet: Der Konzern gehört nicht mehr einem einzigen Mutterunternehmen, sondern seinen Aktionären. Die Aktie wird an der New York Stock Exchange und an der italienischen Börse gehandelt. Damit ist Ferrari rechtlich ein Publikumsgesellschaftsmodell mit einer breiten Aktionärsbasis. Der größte Teil der Stimmrechte liegt jedoch nicht bei der Masse der kleinen Anleger, sondern bei wenigen größeren Anteilseignern, die langfristig engagiert sind.
Im Alltag wird daher oft vereinfacht gesagt, Ferrari gehöre „der Börse“. Das stimmt nur teilweise. Börsennotiert ist Ferrari zwar, doch die entscheidende Frage ist, wer die Kontrolle ausübt. Bei einem Unternehmen mit mehreren Aktienklassen und einem Loyalitätsvoting-System kann die Stimmkraft deutlich höher sein als der reine Kapitalanteil. Genau das ist bei Ferrari der Fall. Deshalb sagt der Blick auf die Marktwertseite allein noch nicht alles aus.
Exor als größter Aktionär
Die wichtigste einzelne Beteiligung hält Exor, die Beteiligungsgesellschaft der Agnelli-Familie. Laut Ferrari war Exor am 3. März 2025 mit 21,20 Prozent der ausgegebenen Stammaktien der größte Aktionär und verfügte über 32,17 Prozent der Stimmrechte bei den Spezialstimmaktien. In den Unterlagen zum Jahresbericht 2024 wird Exor zudem als größter Aktionär mit rund 24,84 Prozent der ausstehenden Stammaktien beschrieben; wegen des Loyalitätsvoting-Mechanismus lag die Stimmkraft dort bei rund 36,69 Prozent. Die kleinen Abweichungen hängen mit dem jeweiligen Stichtag und der Berechnungsmethode zusammen. Entscheidend bleibt: Exor ist der dominierende institutionelle Anteilseigner von Ferrari.
Exor ist keine operative Ferrari-Führung, sondern eine Holdinggesellschaft mit langfristigem Anlagehorizont. Genau das passt gut zu Ferraris Markenprofil. Die Verbindung zwischen beiden Unternehmen ist historisch gewachsen und gilt als stabil. Exor hält Ferrari nicht als kurzfristiges Spekulationsobjekt, sondern als strategische Kernbeteiligung. Das macht sich auch in der Aktionärsstruktur bemerkbar: Die Präsenz eines großen, langfristig orientierten Besitzers sorgt für Berechenbarkeit, ohne Ferrari in ein vollständig beherrschtes Konzernunternehmen zu verwandeln.
Piero Ferrari und die familiäre Verbindung zur Marke
Neben Exor spielt Piero Ferrari eine besondere Rolle. Er ist der Sohn von Enzo Ferrari, dem Gründer der Marke, und damit die direkte familiäre Verbindung zur Unternehmensgeschichte. Über den Trust Piero Ferrari hielt er laut Ferrari am 3. März 2025 10,61 Prozent der Stammaktien und 16,09 Prozent der Stimmrechte an den Spezialstimmaktien. In den Angaben zum Jahresbericht 2024 wird der Trust mit rund 10,56 Prozent der ausstehenden Stammaktien und rund 15,60 Prozent Stimmkraft genannt. Auch hier gilt: Die genauen Zahlen variieren je nach Stichtag, das Grundbild bleibt aber gleich.
Diese Beteiligung ist mehr als ein finanzieller Posten. Sie verbindet Ferrari mit seiner Ursprungsgeschichte. Piero Ferrari ist nicht der operative Lenker des Unternehmens, aber seine Beteiligung steht sinnbildlich dafür, dass die Familie des Gründers im Aktionariat weiter präsent ist. Das verleiht der Marke eine besondere Kontinuität. Ferrari ist dadurch nicht nur ein börsennotierter Luxuskonzern, sondern bleibt in gewisser Weise auch Träger einer Familiengeschichte, die bis heute sichtbar ist.
Der Einfluss des Aktionärsabkommens
Wichtig für die Frage „Wem gehört Ferrari?“ ist auch das Aktionärsabkommen zwischen Exor und Piero Ferrari. Ferrari hat bestätigt, dass beide Parteien ein Shareholders’ Agreement geschlossen haben, das 2022 angepasst wurde, um auch den Trust Piero Ferrari einzubeziehen. Ein solches Abkommen ist kein bloßer Formalakt. Es koordiniert Interessen, stabilisiert die Eigentümerseite und hilft dabei, die strategische Linie des Unternehmens über längere Zeit zu sichern.
Gerade bei einer Marke wie Ferrari ist diese Art von Übereinkunft bedeutsam. Denn es geht nicht nur um Kapital, sondern auch um die Frage, wie die Marke geführt, geschützt und entwickelt wird. Ein Aktionärsabkommen sorgt dafür, dass die beiden zentralen Anteilseigner nicht gegeneinander arbeiten, sondern ihre Positionen aufeinander abstimmen. Für Außenstehende wirkt Ferrari damit zwar wie ein frei gehandeltes börsennotiertes Unternehmen, tatsächlich aber mit einem klaren Machtzentrum im Hintergrund.
Wie viel gehört der Öffentlichkeit?
Die Öffentlichkeit hält ebenfalls einen großen Teil der Ferrari-Aktien. Laut der von Ferrari veröffentlichten Eigentümerstruktur entfielen am 3. März 2025 68,19 Prozent der Stammaktien auf „Other public shareholders“. Bei den Spezialstimmaktien lagen die öffentlichen Anteilseigner bei 51,74 Prozent der Stimmrechte. Das zeigt: Ferrari ist breit investiert und keineswegs vollständig von nur zwei Parteien kontrolliert. Dennoch reicht die bloße Mehrheit der Streubesitz-Aktionäre nicht aus, um die tatsächliche Steuerung des Unternehmens allein zu bestimmen.
Genau hier liegt der Kern der Frage. Eigentum an einem börsennotierten Konzern bedeutet nicht automatisch, dass die Mehrheit der Aktien auch die operative oder strategische Macht verteilt. Durch Loyalitätsstimmen und die Bündelung größerer Beteiligungen verschieben sich die Gewichte. Ferrari ist deshalb ein gutes Beispiel dafür, wie moderne Konzernstrukturen traditionelle Vorstellungen von Besitz auflösen. Formal gehört das Unternehmen vielen, faktisch prägen wenige große Anteilseigner die Richtung.
Was bedeutet das für die Kontrolle über Ferrari?
Wer Ferrari besitzt, kontrolliert nicht automatisch jedes Detail des Tagesgeschäfts. Die operative Führung liegt bei Vorstand und Management, die sich an den Vorgaben des Aufsichtssystems, der Börsenregeln und den Interessen der Aktionäre orientieren. Exor und Piero Ferrari bestimmen also nicht die Motorabstimmung eines Modells oder die Rennstrategie im Detail. Ihre Bedeutung liegt woanders: Sie sichern die Eigentümerbasis, geben strategische Stabilität und beeinflussen die langfristige Ausrichtung.
Das Unternehmen selbst hat über die Jahre ein starkes Profil entwickelt, das auf Exklusivität, Margenstärke und Markenpflege setzt. Auch aktuelle Unternehmensmitteilungen zeigen, dass Ferrari seine Kapitalrückführungen und Aktienrückkäufe innerhalb eines klar definierten Rahmens steuert. Solche Maßnahmen ändern nichts am Grundbild der Eigentümerstruktur, machen aber deutlich, dass Ferrari eigenständig handelt und nicht einfach als Anhängsel eines größeren Konzerns funktioniert.
Warum die Eigentümerfrage bei Ferrari so oft gestellt wird
Die Frage nach dem Eigentümer ist bei Ferrari besonders beliebt, weil die Marke eine starke emotionale Aufladung besitzt. Viele verbinden Ferrari automatisch mit Enzo Ferrari, mit italienischer Tradition und mit einer Art industrieller Unabhängigkeit. Gleichzeitig ist Ferrari ein modernes Finanzunternehmen mit globalem Aktienhandel, institutionellen Investoren und klaren Governance-Strukturen. Diese Mischung führt leicht zu Missverständnissen. Wer nur an den Mythos denkt, hält Ferrari für ein Familienunternehmen. Wer nur auf die Börse blickt, sieht ein gewöhnliches Aktienunternehmen. Beides trifft nur teilweise zu.
Richtig ist vielmehr: Ferrari gehört heute einer breiten Aktionärsbasis, steht aber unter dem maßgeblichen Einfluss von Exor und dem Ferrari-Familienzweig um Piero Ferrari. Diese Verbindung aus Kapitalmarkt und Tradition ist ein wesentlicher Teil der Identität des Unternehmens. Sie erklärt auch, warum Ferrari über Jahre hinweg eine erstaunlich stabile Eigentümerstruktur behalten hat. In einer Branche, in der Übernahmen und strategische Neuausrichtungen häufig sind, wirkt Ferrari vergleichsweise geschlossen.
Fazit: Wem gehört Ferrari nun wirklich?
Die kurze Antwort lautet: Ferrari gehört seinen Aktionären, vor allem aber Exor und dem Trust Piero Ferrari. Die etwas genauere Antwort lautet: Ferrari ist ein börsennotiertes Unternehmen mit einem breiten Streubesitz, dessen Kontrolle jedoch durch zwei langfristige Ankeraktionäre geprägt wird. Exor ist der größte Eigentümerblock, Piero Ferrari bleibt als direkter Erbe des Gründers über seinen Trust eng verbunden, und beide Seiten sind über ein Aktionärsabkommen miteinander verflochten.
Damit ist Ferrari weder klassisch „Familienbesitz“ noch ein beliebiger Publikumswert ohne festen Kern. Das Unternehmen steht genau dazwischen: öffentlich gehandelt, wirtschaftlich eigenständig und zugleich durch eine stabile Eigentümerarchitektur abgesichert. Wer die Frage „Wem gehört Ferrari?“ präzise beantworten will, sollte deshalb nicht nur nach einem Namen suchen. Die richtige Antwort besteht aus mehreren Teilen: Ferrari gehört vielen, wird aber von wenigen maßgeblich getragen. Und genau diese Struktur trägt wahrscheinlich auch dazu bei, dass die Marke trotz globaler Börsennotierung ihren unverwechselbaren Charakter bewahrt hat.
Quellen: Ferrari Corporate „Shareholders‘ structure“; Ferrari Annual Report 2024 / Form 20-F; Ferrari Unternehmensmitteilungen zu Aktienrückkäufen und Exor-Transaktion 2025.
