Skip to content
Wem gehört?

Wem gehört Getir?

aktualisiert: 31. Juli 2026 10:55
firmen-im-blick-Bild

Getir gehört nicht einer einzelnen Person, sondern ist das Ergebnis mehrerer Eigentums- und Kontrollschichten, die sich über die Jahre verändert haben. Wer nach dem Eigentümer von Getir fragt, sucht deshalb weniger nach einem simplen Namen als nach der aktuellen Machtverteilung hinter dem Unternehmen. Genau dort wird es interessant: Getir wurde zwar von türkischen Gründern aufgebaut, doch bei der Finanzierung, den Beteiligungen und den jüngsten Umstrukturierungen spielten internationale Investoren und vor allem Mubadala aus Abu Dhabi eine zentrale Rolle. Gleichzeitig ist die Eigentümerfrage nicht nur eine Frage der Kapitalmehrheit, sondern auch der operativen Kontrolle über verschiedene Geschäftsbereiche. Getir war in den vergangenen Jahren nicht einfach ein Start-up mit einem klaren Alleinbesitzer, sondern ein Unternehmen mit wechselnden Gesellschaftern, unterschiedlichen Tochterfirmen und teils offen ausgetragenen Konflikten zwischen Gründern und Geldgebern.

Der Ursprung von Getir: gegründet in der Türkei

Getir wurde 2015 in der Türkei gegründet und machte sich zunächst mit der schnellen Lieferung von Lebensmitteln und Alltagswaren einen Namen. Das Unternehmen trat früh mit dem Anspruch auf, Einkäufe in kurzer Zeit bis vor die Haustür zu bringen, und entwickelte sich damit zu einem der bekanntesten Namen im Bereich der Schnelllieferdienste. Hinter dem Aufbau standen türkische Gründer, allen voran Nazım Salur, der als Mitgründer und prägende Figur des Unternehmens gilt. Auch andere Gründer aus dem türkischen Umfeld waren an der Entstehung beteiligt. Damit liegt die historische Wurzel von Getir eindeutig in der Türkei, nicht in einem ausländischen Konzern oder einer klassischen Holdingstruktur.

Diese Herkunft ist wichtig, weil sie erklärt, warum Getir lange Zeit als türkisches Vorzeige-Start-up wahrgenommen wurde. Das Unternehmen wuchs zunächst aus dem Heimatmarkt heraus, gewann dann rasch internationale Aufmerksamkeit und sammelte erhebliche Summen an Wagniskapital ein. Mit diesem Wachstum verschob sich jedoch auch die Eigentümerstruktur. Aus einem Gründerunternehmen wurde Schritt für Schritt ein von Investoren finanziertes Unternehmen mit komplexer Gesellschafterbasis. Genau an diesem Punkt beginnt die eigentliche Antwort auf die Frage, wem Getir gehört.

Wer die Anteile über Jahre geprägt hat

Getir finanzierte sein Wachstum über mehrere große Investmentrunden. Zu den bekannten Investoren gehörten unter anderem Mubadala Investment Company, Tiger Global, Sequoia Capital und Silver Lake. Bereits 2021 wurde eine große Finanzierungsrunde öffentlich, bei der Mubadala neben weiteren Geldgebern einstieg. Damals stieg die Bewertung von Getir auf mehrere Milliarden US-Dollar. Die Mittel dienten dem internationalen Ausbau, der Expansion in neue Märkte und dem schnellen Skalieren des Geschäftsmodells. Damit wurde Getir zu einem Unternehmen, das nicht mehr nur von den Gründern geprägt war, sondern zunehmend von Investoren mitgeformt wurde.

In solchen Konstellationen bedeutet Eigentum nicht automatisch vollständige operative Kontrolle. Venture-Capital-Investoren erhalten meist Beteiligungen, Mitsprache und Schutzrechte, während Gründer oft weiterhin einen starken Einfluss behalten. Bei Getir kam jedoch erschwerend hinzu, dass das Unternehmen sehr schnell wuchs, sich in mehreren Ländern engagierte und zugleich unter dem Druck eines schwieriger werdenden Marktes stand. Das machte die Eigentumsfrage dynamisch. Wer heute über Getir spricht, muss deshalb zwischen formalen Beteiligungen, Stimmrechten und operativer Führung unterscheiden.

Mubadala als stärkster Geldgeber und zentraler Machtfaktor

Nach den öffentlich bekannten Entwicklungen gilt Mubadala als der wichtigste und einflussreichste Investor bei Getir. Der Staatsfonds aus Abu Dhabi rückte im Zuge der Umstrukturierung 2024 noch stärker in den Mittelpunkt. Berichte zufolge unterstützte Mubadala eine Neuordnung des Konzerns und brachte frisches Kapital ein. Zugleich wurde berichtet, dass Mubadala damit die Kontrolle über das türkische Lebensmittegeschäft übernahm. Das ist ein entscheidender Punkt: Die Antwort auf die Frage „Wem gehört Getir?“ lautet im Kern heute nicht mehr nur „den Gründern“, sondern sehr wesentlich auch Mubadala, zumindest bezogen auf den maßgeblichen Einfluss und die Kontrolle über zentrale Geschäftsteile.

Dass ausgerechnet Mubadala in dieser Rolle steht, ist kein Zufall. Staatsnahe Fonds suchen häufig nach Beteiligungen an schnell wachsenden Unternehmen mit hoher strategischer Sichtbarkeit. Getir passte lange genau in dieses Profil. Die Firma war bekannt, international ausgerichtet und in einem Markt aktiv, der während der Pandemie stark an Bedeutung gewann. Als die Branche später unter sinkender Nachfrage, hohen Kosten und schärferem Wettbewerb litt, wurden die Machtverhältnisse neu sortiert. Mubadala trat dabei nicht nur als Kapitalgeber auf, sondern als Akteur, der die künftige Struktur mitbestimmte. Für die Eigentümerfrage ist das fast wichtiger als die frühere Hochbewertung.

Gründer mit Einfluss, aber nicht allein entscheidend

Nazım Salur ist weiterhin eine prägende Figur rund um Getir. Als Mitgründer hat er das Unternehmen aufgebaut und über Jahre stark mitgeprägt. Dennoch ist aus der Gründerrolle nicht automatisch vollständige Kontrolle geworden. Gerade bei stark finanzierten Start-ups können Gründer zwar symbolisch und operativ eine große Bedeutung behalten, verfügen aber nicht zwingend über die Mehrheit an den Anteilen. Bei Getir zeigt sich genau diese Entwicklung: Die Gründung liegt in türkischer Hand, die Macht im Laufe der Zeit aber immer stärker bei Investoren und strukturell bei Mubadala.

Im Jahr 2024 wurde öffentlich über Spannungen zwischen den Gründern und dem Investor berichtet. Solche Konflikte sind in schnell wachsenden Unternehmen nicht ungewöhnlich, sie zeigen aber, wie sehr sich die Machtverteilung verschoben hat. Wenn Gründer und Geldgeber gegensätzliche Vorstellungen über den Kurs des Unternehmens haben, ist das ein Hinweis darauf, dass Eigentum und Führung nicht mehr deckungsgleich sind. Bei Getir war diese Trennung besonders sichtbar. Der Name des Gründers bleibt eng mit der Marke verbunden, doch die tatsächliche wirtschaftliche Kontrolle liegt nicht mehr ausschließlich bei ihm.

Die Umstrukturierung von 2024: Getir wird neu aufgeteilt

Ein Wendepunkt war die Umstrukturierung im Juni 2024. In diesem Zusammenhang wurde berichtet, dass Getir in zwei Unternehmen aufgeteilt werden sollte. Der Hintergrund war nicht nur strategischer Natur, sondern auch Ausdruck der Schwierigkeiten, die sich im Wachstumsmodell angesammelt hatten. Das Geschäft war zu groß, zu teuer und zu uneinheitlich geworden, um es ohne Neuordnung weiterzuführen. Für die Eigentümerfrage ist diese Aufspaltung wichtig, weil sie zeigt, dass Getir nicht mehr als einheitlicher Block gedacht wurde, sondern in getrennte Einheiten zerlegt werden sollte.

Besonders relevant war dabei das türkische Lebensmittegeschäft. Dieses Segment wurde im Zuge der Restrukturierung als profitabler und tragfähiger Teil herausgelöst. Nach den öffentlich bekannten Berichten übernahm Mubadala dabei eine führende Rolle und erhielt die Kontrolle über diesen Bereich. Gleichzeitig verloren die Gründer an Einfluss auf diesen Kern des Geschäfts. Damit verschob sich die Antwort auf die Frage „Wem gehört Getir?“ noch stärker in Richtung des Investors. Getir blieb zwar als Markenname erhalten, aber das Unternehmen wurde in eine Struktur überführt, in der unterschiedliche Teile unterschiedlichen Einflussverhältnissen unterlagen.

Was Getir heute wirtschaftlich ausmacht

Getir ist heute nicht mehr nur ein Lieferdienst, sondern ein Unternehmen mit mehreren, teils voneinander getrennten Geschäftseinheiten und Markenrechten. Dazu gehören neben der Kernmarke auch unterschiedliche regionale und operative Bereiche. Die Eigentümerfrage lässt sich deshalb nicht auf einen einzigen Satz reduzieren. Wer nach dem Unternehmen fragt, muss betrachten, welcher Teil von Getir gemeint ist. Das türkische Kerngeschäft, internationale Aktivitäten und mögliche Tochterfirmen können unterschiedlichen Gesellschafterstrukturen unterliegen.

Gerade bei Unternehmen, die schnell gewachsen sind, ist das kein Einzelfall. Es gibt oft Holdingstrukturen, lokale Gesellschaften und operative Einheiten mit verschiedenen Anteilseignern. Bei Getir ist diese Komplexität besonders ausgeprägt, weil das Wachstum von außen finanziert wurde und die anschließende Konsolidierung unter wirtschaftlichem Druck stattfand. Dadurch ist die Marke Getir zwar einheitlich sichtbar, die Eigentumsverhältnisse dahinter sind es aber nicht. Genau deshalb ist die Frage nach dem Eigentümer berechtigt und zugleich erklärungsbedürftig.

Warum die Antwort nicht schwarz-weiß ist

Die naheliegende kurze Antwort auf „Wem gehört Getir?“ wäre: den Gründern und den Investoren. Doch das greift zu kurz. Historisch gehört Getir den Gründern, die das Unternehmen aufgebaut haben. Rechtlich und wirtschaftlich gehört es heute jedoch in erheblichem Maß den Investoren, vor allem Mubadala, das als dominanter Geldgeber und Machtfaktor aufgetreten ist. Operativ können wiederum einzelne Führungskräfte und regionale Gesellschaften Einfluss ausüben. Eigentum, Kontrolle und Markenführung fallen bei Getir also nicht zwingend zusammen.

Diese Trennung ist auch für das Verständnis der jüngeren Entwicklung wichtig. Die Firma war lange ein Symbol für schnelles Wachstum und aggressiven Marktausbau. Als sich das Marktumfeld drehte, wurde aus der Expansionsgeschichte eine Frage der Stabilisierung und Neuordnung. In solchen Phasen verschiebt sich die Macht häufig weg von den Gründern und hin zu den Kapitalgebern, die das Unternehmen stützen oder restrukturieren. Getir ist dafür ein sehr deutliches Beispiel. Wer die aktuelle Eigentümerlage verstehen will, muss deshalb die Entwicklung über mehrere Jahre betrachten und nicht nur auf die Gründungsphase schauen.

Fazit: Wem gehört Getir heute?

Die überzeugendste Antwort lautet: Getir gehört heute nicht mehr in erster Linie den Gründern, sondern steht wirtschaftlich und strukturell unter starkem Einfluss von Mubadala und weiteren Investoren. Die Marke hat türkische Wurzeln, das Unternehmen wurde von türkischen Gründern aufgebaut, doch die Eigentümerverhältnisse haben sich durch große Finanzierungsrunden und eine spätere Umstrukturierung deutlich verschoben. Besonders seit der Neuordnung 2024 gilt Mubadala als zentrale Macht im Hintergrund und als Schlüsselfigur bei der Kontrolle über wesentliche Teile des Geschäfts.

Damit ist Getir ein Beispiel dafür, wie sich junge Tech-Unternehmen entwickeln können: vom Gründerprojekt zum international finanzierten Konzern mit geteilten Zuständigkeiten und wechselnden Mehrheiten. Die Frage „Wem gehört Getir?“ lässt sich daher nur mit einem differenzierten Blick beantworten. Historisch gehört die Geschichte den Gründern. Gegenwärtig liegt die wirtschaftliche Hauptmacht aber bei den Investoren, allen voran Mubadala. Genau diese Mischung macht Getir zu einem Unternehmen, dessen Eigentümerstruktur mehr über seinen Wandel erzählt als jede einfache Namensnennung.

Wer die Marke heute betrachtet, sieht weiterhin den bekannten Schnelllieferdienst aus der Türkei. Wer hinter die Kulissen blickt, erkennt jedoch ein Unternehmen, dessen Kontrolle sich im Laufe der Jahre stark verschoben hat. Aus einem schnell wachsenden Start-up wurde ein restrukturiertes Beteiligungsmodell mit internationalem Kapital. Deshalb ist die präzise, aber einfache Antwort auf die Frage am Ende: Getir gehört nicht mehr allein seinen Gründern, sondern vor allem den Investoren, die zuletzt die entscheidenden Hebel in der Hand hatten.

Quellen am Textende: Offizielle Getir-Seiten zu Franchise- und Partnerangeboten; Reuters-Berichterstattung zur Finanzierung, Bewertung und Umstrukturierung; ergänzende Berichte von Financial Times, Sky News und Türkiye Today zu Eigentums- und Kontrollfragen.

Artikel teilen